Teure Fassadenfarbe: was der Aufpreis wirklich kauft
Die Frage kommt fast immer im selben Moment. Der Ton steht fest, das Haus ist eingerüstet oder wird es bald, und dann liegen zwei Angebote nebeneinander: einmal ein Ton aus einem großen Fächer, einmal derselbe Eindruck aus einem Fächer, der ein Vielfaches kostet. Die Antwort darauf ergibt sich meistens im Gespräch, selten aus Zahlen.
Eine dieser Zahlen lässt sich ausrechnen, und sie beantwortet genau einen Teil der Frage: Wie viel von dem, was der teure Fächer anbietet, ist der Farbton selbst, und wie viel ist alles andere. Der Rest der Frage, also Bindemittel, Untergrund und Gewährleistung, gehört auf den Tisch des Handwerkers. Der Farbton gehört hierher.
Was auf dem deutschen Markt tatsächlich im Regal liegt
Unser Katalog führt für Deutschland vier Fassadenfächer mit zusammen 3 823 aktiven Farbtönen: Caparol mit 1 754, Jotun mit 1 098, Brillux mit 839 und Farrow & Ball mit 132. Alle Farbwerte stammen von den Herstellern selbst.
Das ist der Katalog und nicht der Markt: Wenn eine Marke hier fehlt, heißt das, dass wir sie noch nicht erfasst haben, und nicht, dass sie in Deutschland nicht verkauft wird.
Wichtig ist das Größenverhältnis. Der teure Fächer ist der kleinste von allen und macht 3,5 Prozent der Töne aus, die auf diesem Markt überhaupt zur Auswahl stehen. Zwei der drei großen Fächer kommen aus Deutschland selbst, einer aus Norwegen.
Die Rechnung: wie oft es den Ton schon woanders gibt
Das Verfahren ist schlicht. Für jeden der 132 Töne des kleinen Fächers suchen wir den nächstgelegenen Ton in den drei großen Fächern und messen, wie weit er entfernt liegt. Drei Schwellen, von streng nach milde:
- so nah, dass der Unterschied selbst nebeneinander nicht zu sehen ist;
- so nah, dass der Unterschied auf einer Wand verschwindet;
- so nah, dass niemand von zwei Farben sprechen würde.
| Wie nah der nächste Ton aus einem großen Fächer liegt | Von 132 Tönen |
|---|---|
| Nebeneinander nicht zu unterscheiden | 41 |
| Auf einer Wand nicht mehr zu unterscheiden | 96 |
| Niemand würde von zwei Farben sprechen | 113 |
113 von 132 Tönen des teuren Fächers haben auf demselben Markt eine Entsprechung, die niemand davon trennen würde. Rechnet man nur mit den beiden deutschen Fächern und lässt den norwegischen weg, sind es 106. Übrig bleiben 19 Töne, die es in dieser Auswahl tatsächlich nur an einer Stelle gibt.
Wer also einen Aufpreis zahlt und dabei denkt, er zahle für den Ton, liegt in etwa sieben von acht Fällen daneben. Er zahlt für etwas anderes, und dieses andere kann jeden Cent wert sein. Nur ist es eben nicht die Farbe.
Welche 19 Töne es sind, und warum das die Pointe ist
Die interessante Hälfte der Rechnung ist nicht die Zahl, sondern wo sie auseinanderfällt.
Die Töne, die sich am leichtesten ersetzen lassen, liegen alle im selben Bereich: gebrochene Weiß-, Creme- und hellen Grautöne. Hier ein paar Paare, die so dicht beieinanderliegen, dass die Differenz rechnerisch fast verschwindet:
| Ton aus dem kleinen Fächer | Nächster Ton aus einem großen Fächer |
|---|---|
| Wevet, No. 273 | Caparol, Aquarell 30 |
| James White, No. 2010 | Jotun, 1625 |
| House White, No. 2012 | Caparol, Citrus 60 |
| Slipper Satin, No. 2004 | Caparol, Auenlehm 30 |
| Light Blue, No. 22 | Brillux, Scala 75.01.12 |
| Shadow White, No. 282 | Brillux, Scala 06.06.06 |
Die 19 Töne ohne Entsprechung liegen dagegen fast ausnahmslos am anderen Ende: ein tiefes Aubergine, ein Orangerot, ein sattes Blaugrün, mehrere Rosa- und Rottöne, ein paar kräftige Grüntöne.
Daraus folgt etwas, das der Preisdiskussion die Richtung gibt. Der teure Fächer ist genau dort austauschbar, wo die meisten Fassaden landen, und genau dort einzigartig, wo Fassaden selten hingehen. Wer ein cremeweißes Haus möchte, kauft mit dem Aufpreis keinen Ton, den es sonst nicht gäbe. Wer wirklich ein dunkles Aubergine an der Wand haben will, schon.
Klein heißt nicht knapp: der kleine Fächer wiederholt sich nicht
Ein Fächer lässt sich auch gegen sich selbst rechnen: Wie viele seiner Töne haben einen Nachbarn im eigenen Sortiment, den man von ihnen nicht unterscheiden würde.
| Fächer | Töne mit einem nicht unterscheidbaren Nachbarn im eigenen Fächer |
|---|---|
| Caparol, 1 754 Töne | 1 089 |
| Brillux, 839 Töne | 379 |
| Farrow & Ball, 132 Töne | 34 |
Jede Zeile zählt ihren eigenen Fächer, die Zahlen gehören also nicht in dieselbe Summe und lassen sich auch nicht als Bruchteile eines gemeinsamen Ganzen vergleichen. Der Anteil ist das, worauf es ankommt: Bei den großen Fächern sind es rund sechs von zehn und knapp die Hälfte, beim kleinen etwa ein Viertel.
Der kleine Fächer ist also dicht besetzt, aber er wiederholt sich kaum. Er ist kuratiert, und das ist ein echter Unterschied, nur eben einer, der beim Aussuchen hilft und nicht beim Streichen. Ein großer Fächer verlangt, dass man sich durch Nachbarn hindurcharbeitet, die auf der Wand ohnehin dasselbe ergeben.
Wo es dünn wird: die dunklen Töne
Fassadenfächer sind hell, weil Häuser hell sind, und das gilt für alle vier.
Im kleinen Fächer liegen 12 von 132 Tönen in dem Bereich, den man auf einer Wand dunkel nennen würde, und nur ein einziger davon ist wirklich tief. Bei Caparol sind es 185 von 1 754, bei Brillux 136 von 839, bei Jotun 51 von 1 098.
Genau in diesem dünnen Teil bricht die Ersetzbarkeit: 4 der 19 Töne ohne Entsprechung sind dunkle Töne, obwohl dunkle Töne nur ein knappes Zehntel des kleinen Fächers stellen. Anders gesagt, ein dunkler Ton aus diesem Fächer hat deutlich schlechtere Chancen auf ein Gegenstück als ein heller. Soll das Haus dunkel werden, ist die Aussage „so etwas haben wir auch“ ein Satz, der ein Muster an der eigenen Wand verdient.
So sieht das an einem Haus aus

Auf diesen beiden Bildern ist zu sehen, warum die Diskussion über den Fächer meistens an der falschen Stelle geführt wird. Das braune Dach bleibt, die Form des Türmchens bleibt, die Fensterrahmen bleiben braun. Entschieden wird eine einzige Fläche, und sie wird nicht gegen eine Farbkarte entschieden, sondern gegen das, was daneben stehen bleibt.
Ein Ton, der auf dem Fächer besonders wirkt, kann neben genau diesem Dach beliebig aussehen. Und ein Ton, der auf dem Fächer unauffällig ist, kann hier der richtige sein. Deshalb ist es günstiger, den Zusammenhang am eigenen Haus zu sehen, bevor irgendetwas bestellt wird, als den Unterschied zu bemerken, wenn das Gerüst abgebaut ist.
Sechs Fragen an den Handwerker, bevor der Aufpreis feststeht
Diese Seite vergleicht Farbe, sonst nichts. Unser Katalog kennt zu keinem dieser Produkte einen einzigen technischen Kennwert, also stehen hier Fragen und keine Antworten.
- Aus welchem Fächer kommt der Ton? Hersteller, Fächername und Code aufschreiben. Ein Ton ohne Absender lässt sich später von niemandem prüfen, auch von Ihnen selbst nicht.
- Ist das derselbe Ton oder ein Ersatz? Direkt fragen. Ein Ersatz ist völlig in Ordnung, solange er ausgesprochen wird, und der Code des Ersatzes gehört genauso ins Angebot.
- Welches Produkt steckt hinter dem Ton? Bindemittel, Produkttyp und die Anzahl der Anstriche entscheiden über den Preis viel deutlicher als der Ton, und sie stehen in den Herstellerangaben, nicht auf der Farbkarte.
- Passt das Produkt zu diesem Untergrund? Ein Wärmedämmverbundsystem, alter Putz und ein Sockel sind drei verschiedene Fälle, und das ist die Frage, bei der ein teureres Produkt tatsächlich das billigere sein kann.
- Was gilt für Nachlieferungen? Wenn in zwei Jahren eine Fläche ausgebessert wird, entscheidet die Verfügbarkeit derselben Rezeptur, nicht der Name auf dem Eimer.
- Gibt es eine Musterfläche an der eigenen Wand, bei Tageslicht? Zwei Töne, die auf der Karte gleich aussehen, können auf einer Sonnenwand deutlich auseinandergehen. Bei dunklen Tönen gilt das besonders.
Häufige Fragen
Zu den Markennamen auf dieser Seite. Caparol, Jotun, Brillux und Farrow & Ball gehören ihren jeweiligen Rechteinhabern. GetFacade arbeitet nicht mit den Herstellern zusammen, vertritt sie nicht und hat diese Inhalte nicht von ihnen freigeben lassen. Die Namen stehen hier, damit über das, was in Deutschland verkauft wird, konkret gesprochen werden kann.
Zu den Zahlen. Alle Zahlen stammen aus unserem eigenen Katalog mit Stand 12. August 2026 und beziehen sich auf die vier Fächer, die wir für den deutschen Markt führen. Die Farbwerte sind die der Hersteller, und der Abstand zwischen zwei Tönen ist als Farbabstand in einem Farbraum gerechnet, in dem gleiche Zahlen einen gleich großen Unterschied für das Auge bedeuten. Sortimente ändern sich, die Zahlen sind also eine Momentaufnahme und keine Konstante.
Zum Bildschirm. Eine Farbe auf einem Bildschirm ist keine Farbprobe. Bildschirme sind unterschiedlich kalibriert, und das Licht in Ihrem Raum tut den Rest. Nutzen Sie das Bild für den Zusammenhang und die Verhältnisse der Flächen, und entscheiden Sie den Ton selbst an einer physischen Probe an Ihrer Wand.
