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Fassadenputz: wie viele Farbtöne sich wirklich unterscheiden

Der deutsche Putzmarkt sieht im Katalog aus wie eine sehr große Auswahl. Hinter den Fassadenputzen, die wir für Deutschland erfasst haben, stehen 2 319 aktive Positionen in sechs Linien. Unterscheidbare Farbwerte sind darin 1 079.

Das ist kein Erfassungsfehler, sondern die Art, wie Putz verkauft wird: Eine Linie unterscheidet sich von der nächsten durch Bindemittel, Körnung und Auftragsart, die Farbkarte teilt sie sich mit den Schwesterlinien desselben Herstellers. Sechs Linien, aber nur drei Farbkarten.

Der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen entscheidet darüber, wie ein Bauherr seine Auswahl anlegt, und er wird fast nie ausgesprochen.

Dasselbe Haus mit weißem Putz, schwarzen Fensterrahmen und unverändertem Vordach
Zweigeschossiges Haus mit grauem, unter der Traufe verlaufendem Putz
Before
After
Gleicher Baukörper, gleiche Öffnungen. Es ändert sich nur die oberste Schicht, und mit ihr die Palette, aus der überhaupt gewählt werden kann.

Eine Position ist kein Farbton

Der Hersteller zählt in Positionen, denn die Position ist das, was bestellt wird: ein Farbton in einer bestimmten Linie, in einer bestimmten Körnung. Derselbe Farbton in drei Linien ist drei Positionen und eine einzige Entscheidung.

So sieht das deutsche Putzregal aus, wenn man Linien und Farbkarten nebeneinanderlegt:

Linien eines HerstellersPositionenUnterscheidbare Farbwerte
Drei Linien mit einer gemeinsamen Karte1 482493
Zwei Linien mit einer gemeinsamen Karte454227
Eine Linie mit eigener Karte383359
Gesamt2 3191 079

Die drei Karten überschneiden sich untereinander nicht: 493 plus 227 plus 359 ergeben genau die 1 079 Werte des Marktes. Die Vervielfachung entsteht also nicht zwischen den Herstellern, sondern innerhalb eines Herstellersortiments.

Besonders deutlich wird das dort, wo die Linien nach dem Auftrag benannt sind. Kratzputz und Reibeputz sind zwei Positionen im Katalog und zwei verschiedene Oberflächen an der Wand, aber sie greifen auf dieselben 227 Farbwerte zu. Wer zwischen ihnen wählt, wählt eine Struktur und keine Farbe.

Praktische Folge: die Wahl der Linie ist nicht die Wahl der Farbe. Beides sind getrennte Entscheidungen, die sich unabhängig voneinander treffen lassen.

Putz gegen Fassadenfarbe: dasselbe Regal, zwei Rechenarten

Neben den anderen Materialien des Marktes fällt die Putzkarte erst richtig auf.

Für Deutschland führt unser Katalog 7 332 aktive Positionen bei 16 Herstellern und darin 5 937 unterscheidbare Farbwerte. Zwischen den beiden großen Wandmaterialien verteilt sich das so:

MaterialPositionenUnterscheidbare FarbwertePositionen je Wert
Fassadenputz2 3191 0792,15
Fassadenfarbe4 1884 1541,01

Bei der Fassadenfarbe sagt die Positionszahl fast genau das, was sie verspricht: 4 188 Positionen tragen 4 154 Werte. Beim Putz steht hinter jedem zweiten Katalogeintrag eine Farbe, die im selben Regal schon einmal vorkommt.

Der Unterschied liegt am Material und nicht am Hersteller. Farbe wird nach Rezeptur angemischt, deshalb fallen Position und Farbton zusammen. Putz wird als fertiges System geliefert, bei dem dieselbe Farbkarte für mehrere Bindemittel gilt, also wachsen die Positionen schneller als die Farben.

Für den deutschen Markt ist das eine mildere Aussage, als es klingt. Ein Faktor von 2,15 heißt: Die Auswahl ist kleiner als der Katalog, aber sie ist nicht klein. 1 079 Werte sind mehr, als ein Bauherr an einer Wand je gegeneinander abwägen wird.

Was daraus für das eigene Haus folgt

Die Reihenfolge, die sich aus diesen Zahlen ergibt, ist die umgekehrte zu der, in der die Auswahl meistens abläuft.

Zuerst das Material, dann der Ton. Mit der Entscheidung für Putz verengt sich die Palette auf 1 079 Werte, bevor überhaupt jemand eine Farbkarte aufschlägt. Mit der Entscheidung für Fassadenfarbe bleibt sie bei 4 154 offen. Keines von beidem ist besser, aber es ist eine Entscheidung über die Breite der Auswahl, und sie fällt zu einem Zeitpunkt, an dem noch niemand über Farbe spricht.

Die Linie nach der Oberfläche wählen, nicht nach dem Katalog. Die Körnung bestimmt, wie viel Mikroschatten auf der Wand entsteht, und derselbe Farbwert wirkt im gröberen Korn dunkler und stumpfer. Zwei Positionen, die der Katalog unterscheidet, können an der fertigen Wand gleich aussehen, und ein einziger Wert in zwei Körnungen kann wie zwei Farben wirken.

Die Farbkarte beantwortet die Frage nicht, die gestellt wird. Ein Ton, im Baumarkt aus der Karte gelesen, ist nicht derselbe Ton über zwei Geschosse Wand, in Ihrem Licht und neben Ihrem Dach. Das entscheidet sich erst am Blick auf das wirkliche Gebäude in wirklicher Größe.

Was diese Seite nicht behauptet

Die Hersteller veröffentlichen Farbwerte, aber sie veröffentlichen kein vollständiges Raster aus Farbton, Körnung und Bindemittel. Ob ein bestimmter Farbton in einer bestimmten Linie lieferbar ist, folgt aus diesen Zahlen also nicht und wird beim Hersteller oder im Fachhandel bestätigt.

Die Zahlen beschreiben den deutschen Markt so, wie ihn die Hersteller heute veröffentlichen, und sie beschreiben unseren Katalog: Fehlt eine Marke hier, haben wir sie schlicht noch nicht erfasst, nicht weil es sie in Deutschland nicht gäbe. Das Regal ändert sich, sobald ein Hersteller oder eine Linie hinzukommt.

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Häufige Fragen

Weil sich die Linien in Bindemittel, Körnung und Auftragsart unterscheiden und nicht in der Farbe. Ein Hersteller legt dieselbe Palette an mehrere Systeme, deshalb erscheint sie im Katalog mehrfach. Für die Auswahl heißt das, dass Linie und Farbton zwei getrennte Entscheidungen sind.
In unserem Katalog sind es 2 319 aktive Positionen, darin 1 079 unterscheidbare Farbwerte. Die höhere Zahl ist die Menge der bestellbaren Varianten, die niedrigere ist die Breite der Farbauswahl. Für die Entscheidung über das Aussehen gilt die niedrigere.
Auf dem deutschen Markt ja: 4 188 Positionen Fassadenfarbe tragen 4 154 unterscheidbare Werte, gegenüber 1 079 beim Putz. Der Grund liegt in der Art des Verkaufs, denn Farbe wird nach Rezeptur angemischt, während Putz als fertiges System geliefert wird.
Nein. Gröberes Korn erzeugt auf der Wand mehr Mikroschatten, deshalb wirkt derselbe Farbwert dunkler und weniger gesättigt. Ein Muster sollte daher in der Körnung angelegt werden, die tatsächlich ans Haus kommt, und am besten erst nach dem Blick auf die ganze Wand.
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Zuletzt aktualisiert: 2026-09-05

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